„Der Busunfall von Euskirchen“ – eine besondere Herausforderung für die Rettungsdienste
Lammersdorf. - Auf Einladung des THW-Ortsverbandes Simmerath in Lammersdorf trafen sich am vergangenen Donnerstagabend mehr als 50 Kräfte der Feuerwehren und des THW zu einem Vortragsabend zum schweren Busunfall, der sich am Morgen des 18. Juli 2004 auf der BAB 1 bei Euskirchen ereignete in der THW-Unterkunft in Lammersdorf. Auf der Heimfahrt nach einem Sommerurlaub in Spanien verunfallte der Reisebus mit einer dänischen Jugendreisegruppe kurz hinter der Autobahnanschlussstelle Euskirchen-Frauenberg.
Als Referenten für diesen Abend konnte man den Einsatzleiter dieses Unfalles, Udo Crespin, der gleichzeitig Kreisbrandmeister und Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen ist sowie Dr. Gisela Neff, die bei diesem Einsatz als leitende Notärztin tätig und ebenfalls ärztliche Leiterin Rettungsdienst im Kreis Euskirchen ist,, gewinnen.
In sehr anschaulicher Form wurde mittels einer Präsentation der Ablauf und die Führungsstruktur des Einsatzes vorgestellt. Auch eine von der Malteser-Schule Aachen zu dieser Lage erstellte Planspielplatte wurde zur dreidimensionalen Darstellung der Situation genutzt.
Besonders beeindruckend war, dass diese komplexe Lage mit nahezu 60 Verletzten und 2 Toten fast ausschließlich von eigenen Kräften des Kreises Euskirchen abgearbeitet wurde. Die insbesondere aufgrund der Vielzahl der Lagen mit Massenanfällen von Verletzten in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelten Konzepte im Kreis Euskirchen haben bei diesem Einsatz perfekt ineinandergegriffen.
Nicht nur die Abwicklung des Einsatzes aus medizinischer und technischer Sicht, sondern auch die im Umfeld erforderlichen Bedürfnisse, wie z.B. Betreuung und Nachversorgung der unverletzt betroffenen Insassen des Busses liefen vorbildlich.
Auch die Probleme und zu verbessernden Erkenntnisse des Einsatzes blieben nicht unerwähnt.
Besonders interessant aus Sicht der Anwesenden war der Eindruck von Seiten der technischen Rettung. Insbesondere die „gefährliche Schieflage“ des Busses, der nur ca. 30 cm mit dem Heck auf der Autobahnbrücke auflag, bot eine gefährliche Herausforderung. Bevor die Rettung von Insassen aus und unter dem Bus eingeleitet werden konnte, mußte dieser zunächst auf der Autobahn mit einer Fahrzeugseilwinde und auf dem darunter liegendem Feldweg mit einem Löschfahrzeug, welches unmittelbar das Heck des Busses blockierte, gesichert werden. Bedingt durch die räumliche Enge im Bus konnten im Inneren nur leichte Rettungsgeräte wie Brecheisen und Handwerkzeug eingesetzt werden. Die klassischen hydraulischen Rettungsgeräte konnten im Fahrzeuginneren nicht zum Einsatz gebracht werden. Andererseits stellte sich die Schwierigkeit, dass ein Zugang zum Bus nicht mit den üblichen hydraulischen Rettungsgeräten geschaffen werden konnte. Dazu wurde besonders schweres Gerät, u.a. eine Rettungsschere des großen Typs, benötigt.
Es wurde festgestellt, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den besonderen Strukturen von Bussen für technische Einheiten unerläßlich ist. Auch die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit schwerer Bergungsfahrzeuge, z.B. Kräne ist unerlässlich. Dazu gibt es im Kreis Euskirchen separate vertragliche Bindungen mit den Unternehmern im Kreisgebiet, die rund um die Uhr innerhalb kurzer Zeit bei Bedarf ein Kranfahrzeug stellen.
Besonders bewährt hat sich die Zusammenarbeit aller Organisationen bei diesem Einsatz. Nur das gute Zusammenspiel der eingesetzten Strukturen hat letztendlich zur situationsgerechten Abwicklung des Einsatzgeschehens geführt.
Im Anschluss an den offiziellen Teil traf man sich zum Gedankenaustausch in gemütlicher Runde. Natürlich war bei den vielen Gesprächen ein zentrales Thema, wie man in unserer Region auf vergleichbare Ereignisse vorbereitet ist und in welchen Bereichen weitere Verbesserungen erforderlich sind. Konsens bestand darin, dass nur durch ein enges Zusammenwirken aller eingesetzten Einheiten eine patientenorientierte, schnellstmögliche Versorgung von Verletzten möglich ist.
